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2019-01-01

Grabsteine forogafieren und ins Internet stellen - darf man das?

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Immer öfter werden Grabsteine auf Friedhöfen fotografiert, diese Bilder werden dann im Internet veröffentlicht und die auf dem Grabstein gefundenen Namen und Daten werden katalogisiert.

Einige Vereine für Ahnenforschung machen das, um die auf dem Stein eingemeißelten Informationen zu den Begrabenen zu erhalten, auch wenn das Grab irgendwann einmal aufgelöst wird.

Aber darf man das überhaupt? Sind das nicht personenbezogene geschützte Daten, verletzt das nicht die Persönlichkeitsrechte der Verstorbenen?

Die Klage vor Gericht

Mit dieser Frage hat sich im Jahr 2015 das Amtsgericht Mettmann auseinandergesetzt.

Geklagt hatte die Tochter eines verstorbenen Ehepaares, dessen gemeinsamer Grabstein von einem Verein für Ahnenforschung fotografiert und in eine im Internet öffentlich einsehbare Grabsteindatenbank übernommen wurde.
Die Tochter berief sich darauf, dass sie Nutzerin der Grabstätte und Eigentümerin des Grabsteins sei. Als solche verlangte sie, dass das Bild vom Grabstein und die Daten der Eltern aus der Datenbank des Vereins entfernt werden.

Begründung der Ablehnung der Klage

Das Gericht lehnte die Klage der Tochter ab und hat das folgendermaßen begründet:

Es besteht zwar ein Recht am eigenen Bild – das betrifft aber nur Bilder der eigenen Person. Und dies trifft auf diesen Fall nicht zu, da es nicht um Fotos von Personen geht.
Ein Recht am Bild der eigenen Sache – hier des Grabsteins – besteht nicht.

Die Veröffentlichung des Bildes des Grabsteins verletzt die Eigentumsrechte der Tochter nicht, da das Fotografieren des Steins das Eigentum am Stein und auch die Nutzung des Grabes nicht beeinträchtigt.

Außerdem sind der Friedhof und das Grab öffentlich zugänglich, und daher kann die Tochter nicht erwarten, dass niemand den Grabstein zur Kenntnis nimmt.  Und den Besuchern kann nicht verboten werden, dort zu fotografieren.

Es liegt auch keine Verletzung des Andenkens der Verstorbenen vor. Mit der bloßen Dokumentation des Grabsteins und der Daten der Eltern der Klägerin wird keine Wertung getroffen, und daher liegen auch keine das Persönlichkeitsrecht der Verstorbenen betreffende Ehrverletzungen oder Verzerrungen des Lebens- oder Charakterbildes der Verstorbenen vor.

Fazit:

Das Gericht stellt also fest, dass man Grabsteine fotografieren darf, und man darf die Bilder und die Daten vom Grabstein auch im Internet veröffentlichen.

Sie möchten es ganz genau wissen?

Wenn Sie das Gerichtsurteil ganz genau nachlesen möchten:  Das Urteil des Amtsgerichts Mettmann vom 16.6.2015-25 C – 384/15 wurde veröffentlicht unter http://www.datenschutz.eu/urteile/Veroeffentlichung-von-Grabstein-Fotos-auf-Webseite-erlaubt-Amtsgericht-Mettmann-20150616/

Also: Wenn Sie Grabsteine fotografieren, müssen Sie dabei kein schlechtes Gewissen haben.

Johanna Madrasch

Admin - 20:45:46 @ Allgemein